Das Meikirch Modell - Gesundheit neu denken
Das Meikirch‑Modell ist ein gesundheitswissenschaftliches Konzept, das Gesundheit nicht als statischen Zustand versteht, sondern als Fähigkeit eines Menschen, die Anforderungen des Lebens zu bewältigen. Im Zentrum steht die Frage, wie Gesundheit entsteht, erhalten bleibt und gefördert werden kann.
Das Modell geht davon aus, dass Gesundheit immer im Zusammenspiel verschiedener Faktoren entsteht: individueller Voraussetzungen, sozialer Beziehungen und natürlicher Lebensbedingungen. Gesundheit ist damit kontextabhängig und entwickelt sich im Laufe des Lebens dynamisch weiter.
Herkunft und Motivation
Das Meikirch‑Modell wurde ab 2005 von Johannes Bircher, emeritierter Professor der Medizin, entwickelt und nach seinem Wohnort Meikirch im Kanton Bern benannt. Seine Absicht war es, eine allgemein akzeptierte und praktikable Definition von Gesundheit zu schaffen, die als gemeinsame Zielgrösse für medizinische Versorgung, Organisation und Gesundhitspolitik dienen kann.
Die Weiterentwicklung und Verbreitung des Modells wird durch die Stiftung zur Förderung von Gesundheit gemäss Meikirch‑Modell unterstützt. Sie setzt sich dafür ein, die Prinzipien des Modells bekannt zu machen, wissenschaftlich zu fundieren und in unterschiedlichen Kontexten zur Anwendung zu bringen. Im Stiftungsrat engagieren sich Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitssystems.
Zwei Potenziale als Kern des Modells
Kern des Modells ist die Unterscheidung zwischen zwei grundlegenden Potenzialen. Das biologisch gegebene Potenzial umfasst die körperlichen und genetischen Voraussetzungen eines Menschen. Das persönlich erworbene Potenzial entwickelt sich im Laufe des Lebens durch Erfahrungen, Lernen und soziale Interaktionen. Gesundheit entsteht, wenn diese beiden Potenziale so eingesetzt werden können, dass die Anforderungen des Lebens bewältigt werden. Dieses Verständnis erweitert krankheitszentrierte Ansätze und gewinnt angesichts steigender Kosten, chronischer Erkrankungen und komplexer Versorgungsbedarfe an Bedeutung.
Anwendungsperspektiven
In Medizin, Public Health und Gesundheitspolitik dient das Meikirch‑Modell als Orientierungsrahmen für die Analyse und Weiterentwicklung von Gesundheitssystemen. Es stärkt den Blick auf Prävention, Gesundheitskompetenz, Koordination und integrierte Versorgungsformen. Im Vordergrund steht nicht die einzelne Massnahme, sondern das Zusammenspiel von Individuen, professionellen Akteuren, Organisationen und Rahmenbedingungen entlang der Lebensrealitäten der Menschen.
Handlungsfelder
Auf Basis des Meikirch‑Modells wurden im Working Paper “Das Schweizer Gesundheitssystem neu ausrichten: Denkanstösse auf Basis des Meikirch-Modells” verschiedene Handlungsfelder identifiziert, darunter:
- Personenorientierung
- Befähigung und Mitwirkung
- Kohärente Steuerung über Politikbereiche hinweg
- Lebenslanges Lernen
- Ausrichtung der Versorgung auf Lebensqualität
Bedeutung für Smarter Health Care
Für Smarter Health Care bildet das Meikirch‑Modell eine zentrale konzeptionelle Grundlage. Es unterstützt ein menschenzentriertes, vernetztes und integriertes Verständnis von Gesundheit und Versorgung. Das Modell fördert Dialog, Kooperation und gemeinsame Verantwortung über Disziplinen, Organisationen und Politikbereiche hinweg und bietet damit eine tragfähige Orientierung für die Weiterentwicklung von Praxis, Forschung und Gesundheitssystemen.